|
Optionsschein-Wissen Über 30 Banken bieten in Deutschland Optionsscheine an. Mit rund 5000 Offerten welteiter Rekord. Den Käufern bereitet die Vielfalt der Warrants, wie die Papiere im Börsenjargon heißen, Kopfschmerzen. Sämtliche Angebote haben jedoch eines gemeinsam: Sie verbriefen das Recht, während der gesamten Laufzeit oder nur an deren Ende den Bezugs- oder Basiswert zu einem bereits heute festgelegten Preis, dem Basis- oder Bezugspreis, zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Wer glaubt, dass der Basiswert - gleich ob die Aktie oder Währung - im Kurs steigt,kauft Calls oder geht long. Wer auf fallende Kurse setzt, kauft Puts oder geht short. Entsprechend spekuliert ein Anleger, der auf einen Dollar-Anstieg hofft, mit Dollar-Calls. Wer dagegen mit Kursverluste am US-Aktienmarkt glaubt, kauft beispielsweise S&P-500-Puts, benannt nach dem amerikanischen Aktienindex S&P 500. Die Beispiele verdeutlichen, dass zwei völlig unterschiedliche Gruppen am Markt handeln: Vorsichtige Anleger, die nach einer Kursrallye am US-Aktienmarkt ihre Gewinne in Sicherheit bringen wollen, kommen ebenso zum Zuge wie Spekulanten, die auf schnelle Gewinne hoffen. Besonders Privatanleger reizt die Aussicht auf hohe Gewinne bei vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz, auf den sich auch das Verlustrisiko begrenzt. Grund ist die Hebelwirkung, Leverage-Effekt genannt. Optionsscheine reagieren auf Kursveränderungen des Basiswerts stets überproportional. Beispiel: Eine Aktie notiert 250 DM. Statt der Aktie kauft der Anleger der an einen Kursanstieg glaubt, einen Call. Der Warrent zum Preis von 10 DM berechtigt, bis Ende 1999 die Aktie für 280 DM zu kaufen. Obwohl der Schein rechnerisch einen negativen inneren Wert hat (innerer Wert = Aktienkurs minus Bezugskurs, i. Bsp. 250 minus 280 DM), bezahlt der Anleger 10 DM. Dafür sichert er sich aber das Recht, bis September 1999 die Aktie zu 280 DM zu kaufen. Der Preis von 10 DM wird Zeitwert genannt. Steigt der Kurs innerhalb der nächsten 18 Monate von 250 auf 400 DM, verdient der Aktionär 150 DM. Der Warrentkurs klettert dagegen um 110 DM (Aktienkurs Ende 1999 minus Bezugskurs minus Kaufpreis des Scheins; 400 - 280 - 10 =110 DM). Während die Aktie 60 Prozent Kursgewinn macht, sind es beim Optionsschein im selben Zeitraum 1100 Prozent. Das ist der Hebeleffekt des Optionsscheins. Der Anleger benötigt eine klare Meinung zu Ausmaß und Richtung der Kursentwicklung des Basiswerts sowie über den Zeitraum, in dem das Kursziel erreicht wird. Davon hängen Bezugspreis, Optionstyp und Laufzeit des gewählten Warrents ab. Rechnet der Käufer mit einem sehr starken Kursanstieg (Kursverfall) des Basiswerts kauft er einen Schein der am Geld ist, das heißt, dessen Bezugspreis dem aktuellen Kurs des Basiswerts etwa entspricht. Analog muss die Laufzeit des Warrants so gewählt werden, dass sie möglichst dem erwarteten Zeitraum für das angestrebte Kursziel entspricht. Wer mit einem raschen Anstieg rechnet, kauft Scheine mit kurzer Laufzeit, wer von einem langsameren Anstieg ausgeht, setzt auf eine längere Laufzeit. Dies ist wichtig, weil sich der Kurs des Optionsscheins aus zwei Komponenten zusammensetzt: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Im geschilderten Beispiel hatte der Aktien-Call zum Zeitpunkt des Kaufs keinen inneren Wert, sondern nur 10 DM Zeitwert. Generell gilt: Je länger die Laufzeit,desto höher der Zeitwert - und umgekehrt. Besonders gegen Ende der Laufzeit nimmt der Zeitwert stark ab. Entprechend riskant sind Optionsscheine mit kurzer Laufzeit und hohem Zeitwert. Anleger sollten darüber hinaus auch Kennzahlen wie Aufgeld, Hebel, Delta und Gearing-Factor bei der Auswahl berücksichtigen: Wegen starker Kursschwankungen des oft engen Marktes sollten Orders grundsätzlich nur limitiert erteilt werden. Nur dann nämlich laufen Sie nicht gefahr, schon beim Kauf zu teuer einzusteigen. Schon beim Einstieg sollten Sie zusätzlich Ihr persönliches Kursrisiko festsetzen. Fällt dann der Kurs des Scheines unter dieses Limit, sollten Sie sich konsequenterweise davon trennen! |