Leitfaden für Einsteiger

Geld Sie haben sich entschieden, einen Teil Ihres Vermögens in Aktien zu investieren. Gute Idee! Bitte verwenden Sie dafür aber nur das Geld, auf das Sie für eine längere Zeit (mindestens 3, besser 5 Jahre), nicht angewiesen sind. Wenn sie nämlich aussteigen müssen, und die Kurse unter dem Einstandspreis stehen, sieht die Sache für Sie schlecht aus.

Beratung Vor dem ersten Aktienkauf steht das Beratungsgespräch mit dem Anlageberater Ihrer Bank. Sie erfahren dabei, was Sie schon immer über Geldanlage wissen wollten. Sinn dieses Gesprächs ist auch, daß Sie sich über den Zweck der geplanten Anlage klar werden: Altersvorsorge oder Spekulation? Während des Beratungsgesprächs verwendet das Geldhaus einen Beratungsfragebogen. Anlageziele, Vermögens- und Einkommensverhältnisse, etwaige Erfahrungen mit Wertpapieren und die Anlegermentalität werden dort festgehalten. Damit will sich die Bank auch gegen Schadenersatzforderungen absichern, falls eine Anlage daneben geht, und der Kunde sich darauf beruft, die Bank habe ihn nicht über die Risiken aufgeklärt. Die Bank muß eine solche Beratung anbieten.

Depot Die Aufbewahrung Ihrer Aktien erfolgt in einem Depot der Bank. Bei der Eröffnung müssen Sie den Personalausweis oder Reisepaß vorzeigen. Ein Depot - egal ob leer oder nicht - kostet im allgemeinen Geld, den Grundpreis. Dazu kommt jährlich meist ein Promille des Kurswerts der Aktien für die Aufbewahrung. Die Kreditinstitute bestehen auf einem Verrechnungskonto, beispielsweise Ihr Girokonto. Hierauf schreiben sie Beträge gut oder buchen Geld ab, wenn Sie Aktien kaufen. Mindestens einmal im Jahr erhalten Sie einen Depotauszug mit den einzelnen Posten.

Aufträge Grundsäzlich führen die Geldhäuser Kundenaufträge zum aktuellen Börsenkurs aus - falls keine Limits vereinbart sind. Wie und bis wann Sie Aufträge erteilen können, sollten Sie mit Ihrem Wertpapierberater besprechen. Orders können Sie persönlich, per Fax, Brief oder über T-Online abgeben. Die meisten greifen zum Telefon. Der Berater nimmt den Auftrag entgegen und wiederholt ihn zur Sicherheit. Aufträge zum Kassakurs (der um 12:00 Uhr festgestellte amtliche Kurs an deutschen Börsen) können Kunden je nach Institut bis 11:45 Uhr einreichen.

Gebühren Neben der Depotgebühr fallen auch Kosten beim An- und Verkauf von Wertpapieren an. Zumeist ein Prozent vom Kurswert verlangen Banken und Sparkassen bei inländischen Aktien - jeweils pro Auftrag. Bei ausländischen Papieren kann das oft doppelt soviel sein, weil noch fremde Spesen hinzukommen. Meist gibt es für jeden Auftrag eine Mindestgebühr zwischen 20-50 DM, unabhängig vom Auftragswert. Wer also Aktien für 1000 DM kauft, muß dann nicht 10 DM (1 Prozent), sondern 20 oder gar 50 DM berappen. Wer schon vorher weiß, daß seine Aufträge eher kleine Summen umfassen, sollte sich beim Beratungsgespräch gleich nach der Mindestgebühr erkundigen. Je nachdem lohnt es sich dann nicht, kleine Summen in Aktien zu investieren. Und die Gebühren der Banken sind ein weiteres Argument dafür, Aktien möglichst lange im Depot zu halten. Denn die hohen Kosten müssen erst einmal wieder eingespielt werden - und das braucht eben Zeit. Die Preise für die einzelnen Leistungen hängen in den Schaufenstern von Banken- und Sparkassen aus. Ein Merkblatt mit einer Preisübersicht gibt es bei den Instituten auch zum Mitnehmen.

Limit Die Börse mischt die Karten ständig neu - an einem Tag kann ein Kurs sehr stark schwanken. Erteilen Sie gerade an einem solchen Tag einen Auftrag, kann das Anlaß zum Ärgern bieten. Ein Kaufauftrag bei stark steigenden Kursen kann zur Folge haben, daß der Händler der Bank in den Augen des Kunden viel zu teuer einkauft - nämlich dann, wenn Sie noch die Preise vom Vortag im Kopf haben. Um sich davor zu schützen, können Sie Limits- also Preisgrenzen - setzen. Bei einem Kaufauftrag ist ein Limit der Höchstkurs, zu dem der Händler gerade noch kaufen darf. Beim Verkaufen bedeutet ein Limit dagegen den Mindestpreis, also den Kurs, den die Aktie unbedingt einbringen soll. Wenn ein solcher Kurs freilich nicht zu erzielen ist, hat das Limit zur Folge, daß die Aktie in Ihrem Depot bleibt und am nächsten Tag neu angeboten wird. Limits setzen kostet eine Gebühr, meist um die 10 DM. Einige Institute berechnen die Limitgebühr allerdings nur dann, wenn sie den Auftrag nicht ausgeführt haben. Wer kein Limit setzt, kauft in der Sprache der Börse billigst und verkauft bestens. Der Anleger ist dann mit dem sich ergebenden Börsenkurs einverstanden.

Dividende Die Gewinnausschüttung der Aktiengesellschaften heißt Dividende. Deutsche Unternehmen zahlen sie einmal jährlich aus. Da die Firmen die Dividende aus der Substanz heraus nehmen, vermindert sich ihr Aktienkurs am Tag der Ausschüttung meist um die Höhe der Dividende. Die Dividendenzahlung wird vom Vorstand vorgeschlagen und muß vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Auch wenn das Unternehmen in einem Jahr keine Gewinn erwirtschaftet, kann es, aus Gründen der Dividendenkontinuität, Geld an seine Aktionäre ausschütten

Kapitalerhöhung Hin und wieder bietet die Bank Ihnen an, bei einer Kapitalerhöhung der Firma mitzumachen, deren Aktionär Sie sind. Die AG gibt junge Aktien aus, um an frisches Eigenkapital zu kommen. Sie räumt dabei ihren Altaktionären ein Bezugsrecht ein. Das ist das Recht, die neuen Aktien zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele alte Aktien Sie brauchen, um eine neue zu erhalten. Beispiel: Bei einem Bezugsverhältnis von 5:1 bekommen Sie für 5 alte Aktien 1 junge dazu. Sie können Ihr Bezugsrecht ausüben. Sie können es aber auch verkaufen: Dann bekommen Sie für Ihre Bezugsrechte Geld - als Entschädigung, weil sie nach der Kapitalerhöhung einen geringeren Anteil an der AG besitzen. hnchten

Steuern Kursgewinne sind steuerfrei, wenn zwischen An- und Verkauf der Aktien mehr als 6 Monate liegen. Ist die Zeitspanne kürzer, fällt im Einkommensteuerbescheid der persönliche Steuersatz fürs Finanzamt an. Bei Dividenden: Legen Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag vor. Dann bekommen Sie bis zur Freigrenze die volle Dividende samt Körperschaftsteuer ausbezahlt.

Stimmrecht Einmal im Jahr schickt die Bank eine Einladung zur Hauptversammlung der AG, an der Sie als Aktionär beteiligt sind. Auf dem Eigentümertreffen können Sie dann für die wichtigsten Entscheidungen Ihre Stimme abgeben. Stimmberechtigte Papiere heißen Stammaktien. Besitzer von Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht. Schon nach der Depoteröffnung, spätestens aber mit der Einladung zur Hauptversammlung, frägt Sie die Bank, ob Sie an den Eigentümertreffen teilnehmen möchten, oder ob Sie Ihr Stimmrecht an die Bank übertragen. Tip: Versuchen Sie es wenigstens einmal selbst, und nehmen Sie Ihre Rechte als Eigentümer wahr.

Discount Für aufgeklärte Anleger, die Gebühren sparen wollen, gibt es spezielle Banken, die Discount-Broker. Dazu zählen zB die DirektAnlageBank, Consors, Advance, Bank 24 oder Comdirect. Nachdem der Kunde ein Depot bei einer dieser Banken eröffnet hat, kann er Aktien, Anleihen und Fonds bequem per Telefon, Computer oder Fax kaufen und verkaufen. Die Preise dieser Institute liegen zum Teil - je nach Wertpapierart und Volumen - bis zu 90 Prozent unter den Gebühren der normalen Banken. Allerdings bieten die Billigbanken keine Beratung an. Sie müssen also genau wissen, was Sie kaufen oder verkaufen wollen.

Kredit Grundsätzlich gilt für unerfahrene Anleger: Nie Aktien auf Kredit kaufen. Auch wenn die Aussichten noch so gut scheinen: Wenn das Geschäft ins Auge geht, verspielen Sie zuviel. Dennoch kann das Wertpapierdepot als Sicherheit für einen Kredit dienen. Institute beleihen Depots meist bis zu 60 Prozent des Werts. Freilich kommt es dabei darauf an, was drin ist. Riskante Optionsscheine und exotische ausländische Aktien akzeptieren die Banken nicht in dem Maße als Sicherheit wie Standardpapiere. Ein solcher Kredit kann - muß aber nicht - billiger kommen als der normale Überziehungskredit. Die neuen Discountbroker bieten besonders günstige Konditionen an.

Informationen Der erste Ansprechpartner in allen Fragen bleibt die Bank. Theoretisch können Sie sich täglich beim Wertpapierberater nach dem Stand Ihrer Aktien erkundigen. Scheuen Sie sich nicht, mit dem Anlageberater zu sprechen - auch wenn es einmal keine konkrete Absicht gibt, einen Auftrag zu erteilen. Beratung muß nicht immer zum Kauf oder Verkauf führen. Die meisten Banken verschicken Halbjahresberichte der Firmen. Wer wünscht, kann sich bei vielen Instituten am Jahresende eine Steuerübersicht mit den Steuergutschriften und Quellensteuerzahlungen zuschicken lassen.

Geschafft Mit dem Schritt an die Börse sind Sie über Ihren Schatten gesprungen. Jetzt gilt: Nicht nervös werden und die Aktien, wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, möglichst lange festhalten.


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